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Island – Mit dem Auto in den Süden & auf die Snæfellsnes Halbinsel

Island – Mit dem Auto in den Süden & auf die Snæfellsnes Halbinsel

Das Land der Geletscher und Gysire, der Elfen und Trolle und  der unendlich Weiten. Island, ein Land über das ich unzählige Dokumentationen gesehen, Geschichten und Berichte gehört habe. Die Augen der Menschen, mit denen ich vorab über Island geredet habe, waren riesig und haben Bände gesprochen. Alle waren begeistert. Dementsprechend hoch auch meine Erwartungen. Zwischen dem Buchen der Flüge und dem Reiseantritt sind 4 Monate vergangen. Die Vorfreude stieg und stieg, bis es endlich los ging.

Reisezeit

Die beste Reisezeit zu finden ist nicht ganz einfach. Im Frühling und Sommer (ab ca. April bis August), bei mäßigen Temperaturen soll Island mittlerweile völlig überlaufen sein. Im Herbst und Winter (Oktober bis ca. März) sind die Temperaturen eisig und der Wind unerbittlich. Dafür sollen nicht all zu viele Touristen unterwegs sein. Die Wintermonate haben außerdem den Vorteil, dass die Chancen auf Polarlichter größer sind. Das sagt man zumindest. Letztendlich gibt es unzählige Einflussfaktoren auf das Naturwunder, z.B. auch, in welcher Phase der Mond gerade ist (je weiter weg vom Vollmond, desto besser die Chancen). Wir haben uns letztendlich für den Winter, genauer gesagt die erste März Woche entschieden. Wie zu erwarten war es ziemlich kalt, jedoch mit der richtigen Kleidung sehr gut auszuhalten (glaubt mir, wenn ich das sage:)). Den ersten Tag hatten wir außerdem mit Orkanböen zu kämpfen, aber auch diese haben uns nicht von unseren initialen Plänen abhalten können. Und ganz zum Schluss, am letzten Abend in Reykjavik hatten wir das große Glück Polarlichter zu sehen (dazu später mehr). Also, go for icelandic winter. Auch wenn das definitiv nicht unbedingt heißt, dass ihr alleine auf der Insel unterwegs seid. 

Anreise & Fortbewegung 

Die besten Flüge konnten wir bei Iceland Air ab Frankfurt (FRA) finden. Alle Verbindungen ab Stuttgart waren deutlich länger und mit mind. einem Umstieg. Schaut einfach regelmäßig bei wow air und bei Iceland Air nach Angeboten, da werdet ihr sicher fündig. In unserem Fall war es tatsächlich am günstigsten direkt bei der Airline zu buchen. Pro Person haben wir ca. 150€ für den Flug gezahlt. Für insgesamt 5 Tage vor Ort (+ 2 Tage für die An-/Abreise) sind wir gut mit dem Handgepäck (im Flugpreis inklusive) zurechtgekommen.

Auf Island angekommen haben wir direkt unseren Mietwagen abgeholt, diesen hatten wir bereits vorab aus Deutschland gebucht. Lasst euch vor Ort keine weiteren Versicherungen aufschwatzen, auch wenn ihr von eurer Autovermietung permanent mit den Worten „Driving in Iceland is very dangerous!“ konfrontiert werdet. Unterschreiben würde ich das nicht: die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90km/h auf asphaltierten „Landstraßen“, bei (starken) Schneefällen wurde die Ringstraße (N1) direkt geräumt und gestreut und ganz generell ist eher mäßig viel Verkehr. Unser kleiner Flitzer (Hyundai i20) hat sich auch auf Schotterpisten gut geschlagen und war völlig ausreichend (wir hatten vorab lange überlegt, ob wir 4-Radantrieb brauchen – nein, definitiv nicht).

Route

Golden Circle

Nach einer ersten Nacht in Reykjavik (Hotel Frón, super zentral und perfekt als „Basislager“ in Reykjavik) sind wir am nächsten Tag in Richtung Süden aufgebrochen. Wir hatten geplant, den bekannten Golden Circle an einem Tag abzufahren. Das ist völlig ausreichend. Alle berühmten Fotomotive aus Island sind auf dieser Strecke unweit von Reykjavik zu finden. Das ist auch ein Hauptgrund dafür, dass der Golden Circle völlig überlaufen ist und meiner Meinung nach ziemlich überschätzt wird. Definitiv sind die Hauptattraktionen – die Silfra-Spalte im Þingvellir Nationalpark, der Geysir in Selfoss und der Gullfoss-Wasserfall – beeindrucken, jedoch wirken sie stark inszeniert und dank der aufgebauten Infrastruktur, inkl. Hotels, Souveniershops & Co., fast ein wenig angelegt. Für alle diejenigen, die nur für einen Stopover oder eine kurz Zeit auf Island sind, ist der Golden Circle der richtige Anlaufpunkt. Er deutet an, welche Magie dem Land tatsächlich innewohnt. Wer länger auf Island unterwegs ist, findet weitaus schönere und beeindruckendere Orte.

Hekla

Nach der golden Circle Tour sind wir weitergefahren nach Hveragerði. Dort haben wir für zwei Nächte ins Hotel Eldhestar eingecheckt – einfach, auf einer Pferdefarm gelegen mit Außen-Hotpot und leckerem Frühstück. Weiter ging es am nächsten Tag zum Vulkan Hekla (letzte Eruption im Jahr 2000). Im Vergleich zum Vortag, wo wir uns hinter Reisebussen und unzähligen Touristen angestellt haben, um den Sehenswürdigkeiten näherzukommen, haben wir bei Hekla den ganzen Tag keine, absolut gar keine weiteren Touristen getroffen. Wenn auch zunächst ein wenig gruslig, hat die Tatsche den Ort noch magischer erscheinen lassen. Über weite Lavafelder hinweg sind wir einfach los gewandert, ganz ohne geplante Route. Das war problemlos möglich: dank der umliegenden „Berge“ (oder eher: der umliegenden Hügel) konnten wir uns super orientieren. So haben wir uns Schritt für Schritt dem Vulkan genähert und uns von der Landschaft in ihren Bann ziehen lassen. Eine Besteigung des Vulkans ist möglich, muss jedoch vorab mit einem Guide organisiert werden.

Reykjadalurs-Tal

Auch wir haben uns von den unzähligen Beschreibungen anstecken lassen: Durch das Reykjadalurs-Tal bei Hveragerði fließt ein geothermaler Fluss, der bei einer fast konstanten Temperatur von 42 Grad zum Baden einlädt – ganz gleich welche Außentemperatur herrscht. Trotz Schneesturm und immer schlechter werdender Sicht wollten wir uns das Naturerlebnis nicht entgehen lassen. Vom Parkplatz des Hot River Cafés aus sind es gute 4 km bis zur Badestelle (einfach der Beschilderung folgen). Der Weg ist zeitweise schmal, die Steigung nicht zu unterschätzen. Im Schneegestöber schnell umziehen (das wird kurz eisig) und ab in den warmen Fluss (packt eure Kleidung für den Rückweg am besten in einen dry bag o.Ä., so bleibt sie trocken). Wir hatten tatsächlich das Glück, auch hier wieder ganz alleine zu sein. Das Badeerlebnis entlohnt für die Wanderung und vorab auch schon für die Umziehaktion unter freiem Himmel nach dem Baden 🙂

Snæfellsnes Halbinsel

Nach zwei Nächten im Süden ging es weiter zur Snæfellsnes Halbinsel. Untergekommen sind wir im Hotel Arnarstapi (in der Ortschaft Arnarstapi) im Süd-Westen der Halbinsel (die Zimmer mit Meerblick sind den Mehrpreis wert). Im hoteleigenen Restaurant gibt es eine kleine Karte, mit für Island „normalen“ Preisen. „Klein Island“ (wie Snæfellsnes auch genannt wird) sagt man nach, dass es all das vereint, was Island wirklich ausmacht: abwechslungsreiche Natur von flachen Weidelandschaften, über Lavafelder, hohe Berge bis hin zum Snæfellsnesjökull Gletscher. Ganz genau so ist es. Die Fahrt entlang der Westküste von Snæfellsnes entspricht dem Island-Bilderbuch. Nach unserer Ankunft haben wir die Küste weiter zu Fuß erkundet: ein ausgedehnter Spaziergang Richtung Hellner birgt steile Klippen, meterhohe Wellen und einzigartige Felsformationen, die die endlose Geschichte des rauen Küstenklimas erzählen.

Gletscherwanderung Snæfellsnesjökull

Mein absolutes Highlight (und insgeheim auch ein weiterer Grund dafür, Island im Winter zu bereisen) war unsere Gletscherwanderung auf dem Snæfellsnesjökull. Mit Joel von Go West haben wir eine eine knapp 6 stündige Gletscherwanderung unternommen. Die Guides von Go West arbeiten nachhaltig und setzen sich zudem stark für den Erhalt des Gletschers ein. Solltet ihr ein Tour planen, bucht unbedingt dort und nicht bei einem Anbieter der Fahrten mit Monsterdrucks auf den Gletscher anbietet (bitte bitte einfach nicht!). Die Tour war anstrengend, aber ebenso unvergesslich.

Reykjavik

Vor unserer Abreise haben wir eine letzte Nacht in Reykjavik verbracht. Übernachtet haben wir im Apartment K (genauso zentral wie unser erstes Hotel in Reykjavik, s.o.). Wir sind lediglich noch ein wenig durch die Stadt geschlendert und haben gespannt Daumen gedrückt, dass das mit den Polarlichtern noch klappt. Eine tagesaktuelle Vorhersage findet ihr hier. Um die Chancen etwas zu erhöhen, sind wir zum Grótta Island Lighthouse, einem Aussichtspunkt etwas außerhalb der Stadt gefahren. Achtung, ein Geheimtipp ist das leider nicht mehr. Seid lieber etwas früher dort, so könnt ihr das Verkehr- und Parkchaos ein wenig umgehen. Wobei das Timing beim Polarlichter sichten einfach eine großer Portion Glück verlangt. Wir sind kaum aus dem Auto ausgestiegen, ging das Spektakel los. Der Himmel tief dunkel und klar, wird plötzlich von grünen, tanzenden Polarlichtern eingefärbt. Es war wirklich verzaubernd. Nach knapp 10 Minuten war der Himmel wieder friedlich, als ob nicht gewesen sei. Timing it is.

Fazit

Trotz des immer stärker zunehmenden Island-Hypes kann ich euch die Insel wirklich nur empfehlen. Meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Überlegt gut, wann ihr eure Reise antretet (ich würde ja tatsächlich die Wintermonate bevorzugen). Stellt euch auf alle möglichen Wettersituationen ein, dann kann daraus nur ein Abenteuer werden. Ich bin mir sicher, dass wir nicht das letzte Mal auf Island waren – das nächste Mal geht es mit Zelt und Rücksack ins Hochgebirge.

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