Heimat – hier und dort

Heimat – hier und dort

Es ist Sonntag, die Nacht über hat es tatsächlich noch einmal geschneit. Ich liebe es, durch die etwas leereren Stuttgarter Straßen zu spazieren. Über die Tübingerstraße zum Marienplatz, zurück über die berühmten Stuttgarter Stäffeles ins Heusteigviertel. Während ich durch die Straßen schlendere, frage ich mich immer, welche Geschichten hinter den ganzen Menschen stecken, die um mich herum wuseln. Klein, groß, in Gruppen, allein, Verliebte, spielende Kinder. Sind das alles Stuttgarter? Oder Zugezogen? Was verschlägt sie nach Stuttgart? Und was mache ich eigentlich hier zwischen all den “Stuttgarter Schwaben”?

Heimat – wo bist du?

In letzter Zeit frage ich mich häufiger, wo genau meine Heimat ist. Fühle ich mich zur Zeit in Stuttgart heimisch? Kann ich mir vorstellen, für immer hier wohnen zu bleiben? Insbesondere kommt die Frage im Zuge von Zukunftsgedanken auf. Ob aus den vielen Gedanken irgendwann handfeste Pläne werden? Oder kann ich mich einfach nie entscheiden, wo meine ganz persönliche Heimat ist oder sein wird?

Heimat von it's worthy

Heimat – was ist das überhaupt?

Ich frage mich auch, ob das Heimatgefühl noch zeitgemäß ist. In unserer grenzenlos vernetzten Welt, in der man jede Sekunde eine Sekunde zu spät sein könnte. In der keine Zeit für einen Blick zurück ist. Einen Blick zurück in die Heimat, in der wir uns so heimisch fühlten und unsere Kindheit verbrachten? Wie soll bei dieser Geschwindigkeit je das Gefühl von Heimat aufkommen? Ist Heimat doch, ganz klassisch “das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt”. Mh, ich sollte mich mittlerweile also auch in Stuttgart heimisch fühlen. Immerhin lebe ich dort insgesamt fast fünf Jahre (wenn auch nicht ganz am Stück). Trotzdem fühlt es sich nicht wirklich danach an. Auf der anderen Seite, kann ich nicht genau beschreiben, nach was es sich sonst anfühlt. Oder was mir fehlt, um sagen zu können, Stuttgart ist meine Heimat. Trotz Lieblingsbäcker mit den besten Brezeln direkt gegenüber, trotz Schleichwegen durch die Stadt, trotz vielen Orten, die mit zauberschönen Erinnerungen verbunden sind. Ganz abgesehen davon, habe ich hier unersetzbare Menschen um mich herum, meinen Job, meinen Sportverein.

Heimat – weit mehr als ein Ort

Als ich ein wenig recherchiert habe, bin ich auf einen sehr lesenswerten  Artikel in der Zeit gestoßen. Dort wird Heimat als einen Raum beschrieben, […] der Geborgenheit und Sicherheit gibt und doch ausreichend groß ist, um für andere und Unbekanntes offen zu stehen. […]. Bei meinen weiteren Gedanken rund um das Thema, habe ich diese Worte nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Vielleicht dachte ich, dass mit zunehmendem Heimatgefühl, meine Offenheit und Abenteuerlust verloren geht? Weil man quasi “akzeptiert”, dass man seinen ganz persönlichen Ort gefunden hat. Und damit auch ein wenig den eignen Anspruch an sich selbst verliert. Den Anspruch, dass man mit offenen Augen durch diese Welt geht, die so viele wunderschöne Orte für eine Heimat zu bieten hätte. Völliger Quatsch – denke ich heute.

Heimat von it's worthy

Ein bisschen mehr Mut für das Heimatgefühl

Ich habe für mich persönlich festgelegt, dass der “Raum” nicht unbedingt an einen Ort gebunden sein muss. Ich kann ihn an mehrerer Orten finden. In der schönen Pfalz, im Stuttgarter Kessel, temporär in Kapstadt oder auf der Zugspitze. Vielmehr wird Heimat für mich zukünftig eine Art Einstellung sein, welche mir erlaubt, mich auf Orte einzulassen und sie aufgrund dessen intensiv zu erleben. Denn nur so kann je ein Raum für das Heimatgefühl aufkommen. Ich glaube tatsächlich, dass dazu eine Portion Mut gehört. Den Mut anzukommen und damit das Leben etwas zu entschleunigen. Allein durch diese Erkenntnis (ja, für manch einen mag das offensichtlich sein, für mich, mit viel Gedankenchaos war es das lange Zeit nicht), fühlt sich Stuttgart ein bisschen anders an. Ein bisschen mehr heimisch, einfach, weil ich dankbar bin, dass mich der Heimatraum weiterhin mit offenen Augen durch die Welt gehen lässt. Und dieser Ansatz passt für mich wiederum auch in unsere heutige Zeit und Gesellschaft. Denn auch Heimat kann grenzenlos sein und so passt das einst klassische Konzept wunderbar in unsere globale und offene Welt.

 

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